Vom Ankommen im Mainstream und dessen unangenehmen Antworten – zur aktuellen Gender-Debatte

Esther Hutfless

Es gibt immer wieder Kommentare, Artikel und Beiträge zum Thema Geschlecht bzw. Geschlechtertheorien, die, so scheint es, Gender Studies, Queer Theory und Feministische Theorie nicht als komplexe und weit verzweigte wissenschaftliche Diskurse und Disziplinen wahrnehmen und darum meinen, ausgehend vom Hörensagen, von unreflektierten Vorab-Urteilen oder bewussten Fehlinterpretationen argumentieren zu können.
Wie soll man da antworten? Soll man überhaupt? Weiterlesen

Freiberg 2014 oder die Hemmung über Homosexualität zu sprechen

Barbara Zach

Freiberg war nicht frei. Der freien Rede ging unter der drückenden Last des psychoanalytischen Erbes die Luft aus. Freiberg war auch kein Monte Veritá, der zur Erprobung neuen psychoanalytischen Denkens eingeladen hätte. Oder vielleicht doch, es gab die Einladung, doch niemand folgte ihr, obwohl viele gekommen waren. Zu groß war die Angst. War die Farbe des Tagungstitelblattes daran schuld? Unübersehbar prangte da das Thema „Homosexualitäten“ auf rosa Untergrund. „Was ist eigentlich die Farbe der Heterosexualität“, fragte Beate Hofstadler eingangs, „rosa und blau“ war die Antwort darauf und gleichzeitig das Schlusswort der Tagung von August Ruhs. Zwischen der Frage und der Antwort breitete sich eine beachtliche Lähmung unter den Teilnehmer_innen aus. Weiterlesen

Psychoanalyse und Queer Theory. Ein Versuch der Annäherung.

Esther Hutfless

Theoretisch sind sich Psychoanalyse und Queer Theory (1) vielleicht gar nicht so fern. Beide erforschen Fragen der Identifizierung, der Subjektwerdung, der Annahme eines Geschlechts, der Vielgestaltigkeit von Sexualität und Begehren. „Whereas queer theory approaches these ideas via sustained intellectual, political and practical engagement and psychoanalysis privileges the transferential relation between patient and analyst, the goal of delimiting a heterogenous horizon that queers subjectivity, social relations, power and knowledge in order to challenge normative knowledges, practices, beliefs, identities and the production of new social links is shared.“ (2)
Zudem waren und sind viele Strömungen der Queer Theory, der Geschlechterforschung und der feministischen Theorie von der Affirmation wie auch von der kritischen Reflexion von psychoanalytischen Ansätzen wesentlich geprägt. Weiterlesen